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| Bild: Liezen - Tusche auf Papier - Erhard
Gaube, 1986 |
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| Geschichte der Stadt Liezen |
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| Das Ennstal hatte zu Beginn der Eiszeit fast schon jene
Form, wie wir es heute kennen. Dann kam es durch die Wirkung der Gletscher, die unsere
Alpentäler deckten, noch zu wesentlichen Veränderungen. Die Talsohle war vor der Eiszeit
weit höher gelegen als heute. Für die spätere Besiedlung unserer Heimat war die Eiszeit
deshalb von Bedeutung, da sie eine Art Vorarbeit für die Rodung leistete. Die ersten
Siedlungen finden wir ja dann auf Böden, die die Eiszeit geformt hat. Nach der Eiszeit
bedeckte ein langer See unser Tal, der durch die Schotterzufuhr aus den Seitentälern
verflachte und schließlich seinen Abfluß durch das Gesäuse fand. Da und dort blieben
flache Seen zurück, die später zu den großen Moorgebieten wurden, die wir heute noch im
Ennsboden vorfinden. Aus der Steinzeit in unserem Tal wissen wir wenig. Funde, wie
Steinbeile, sind sehr spärlich. Eine Besiedlung war auch fast unmöglich. Als die ersten
Bewohner unserer Heimat kennen wir die Illyrer. Vermutlich stehen auch die frühesten
Felszeichnungen in der Höll, in der Nähe des Linzerhauses auf der Wurzeralm,
damit in Verbindung. Auf 13 verschiedenen Felsblöcken sind Zeichnungen von verschiedener
Art und Darstellung zu sehen, die aus der Zeit von 800 v. Chr. bis wahrscheinlich 800 n.
Chr. stammen. Meist sind es Jagd- und Tierdarstellungen, Ornamente, Musikspiele und
Christogramme. Die Illyrer, auch Kelto-Illyrer benannt, haben uns wohl einige Namen wie
Enns, Tauern, Tausing und Pyhrn hinterlassen. Von ihnen selbst und ihren Siedlungsformen
und ihrer Kultur ist wenig bekannt. Sicherlich aber haben sie das Ennstal nicht sehr dicht
besiedelt. Schon ein halbes Jahrhundert vor Christi Geburt wird unser Tal in das große
Römerreich einbezogen. |
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| Die Römerzeit |
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| Roms Soldaten eroberten unsere Heimat und gliederten sie in
ihre neuerrichtete Provinz Noricum ein. Die Römer waren die großen Meister des
Straßenbaues eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung ihres Weltreiches
sie legten auch über unser heutiges Stadtgebiet eine römische Heeresstraße von
Virunum (Klagenfurt) nach Ovilaba (Wels) und damit zur Nordgrenze der Provinz Noricum, der
Donau. In jeweils 20 km Entfernung errichteten sie Poststationen, besser gesagt
Umspannstationen. In der sogenannten Peutingerschen Tafel (Tabula Peutingeriana)
sind die wichtigsten Römerstraßen verzeichnet. Wir können daraus entnehmen, daß sich
auf dem Brunnfeld nördlich des Zentrums des heutigen Liezen die Station
Stiriate befand. Dieser Name kommt aus dem keltoillyrischen Wort
stirus oder stiry und bedeutet Fluß. Zweifelsohne war damit die
Enns gemeint. |
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| Stiriate |
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| Als letzte Rast- und Umspannstation für die
Pferdefahrzeuge der damaligen Zeit vor oder nach dem Pyhrnpaß kam diesem
Stiriate eine besondere Bedeutung zu. Von hier weg führten Straßen
westwärts über das Ennstal und das Ausseerland nach der römischen Stadt Juvavum
(Salzburg), nach Osten in Richtung Admont, nach Norden zur nächsten Station
Gabromagum (auch Gabromagis genannt) bei Windischgarsten. Bei der
Anlage ihrer Straßen wichen die Römer immer den Talböden aus und legten die
Straßentrassen an den Hängen an. Die letzte Station vor Stiriate war im Süden
Surontio (St. Lorenzen i. Paltental). Die Straße führte vom Triebener
Tauernpaß über Surontio, über Burgfried-Lassing und über die Senke im
östlichen Teil des Mitterberges, die im Volksmund nach einem dort stehenden Bildstock des
Heiligen Jakob, der Jockerl genannt wird, ins Ennstal. Wir können annehmen,
daß diese Poststation Stiriate am Rande des sumpfigen Ennstales nur aus einigen
Gebäuden, wie einer Gaststätte mit Herberge und Stallungen, Unterkünften für einige
Soldaten und Handwerker, sicher Schmiede und Wagner bestand. Eine weitere Annahme ist,
daß dies damals schon ein für unsere engere Heimat wichtiger Handels- und Umschlagsplatz
war. Allzuviel dürfen wir uns darunter nicht vorstellen. |
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| Erinnerungen an die Römer |
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| Außer dem Hinweis in der Peutingerschen Tafel
bezeugen auch Funde die seinerzeitige Anwesenheit der Römer. 1835 wurden auf dem
Brunnfeld 2 Römersteine gefunden, die im Aufgang zum Kirchenchor der Stadtpfarrkirche
eingemauert sind. 1932 fand man beim Neubau der Röthelbrücke an der Selzthaler Straße
eine größere Menge römischer Münzen. Es bestand dort mindestens eine Fähre oder gar
eine einfache Brücke. Mit dem Ende des Römerreiches und nach der Völkerwanderung wurde
unser Land fast menschenleer, bis es durch spätere Besiedlungen zu neuem Leben kam. |
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| Die Drachen-Sage |
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| Diese berichtet, daß noch im 12. Jahrhundert eine
römische Stadt auf dem Brunnfeld gestanden sein soll. Ein Erdbeben habe das Felsgestein
an der Roten Wand zusammengeschüttelt, sodaß es ins Tal herabstürzte und dieses
verschüttete. Der wahre Kern besteht darin, daß die dort noch bestehenden Anlagen der
ehemaligen römischen Siedlung unter den Felstrümmern begraben wurden. Eine Stadt aber
war es sicher nicht. Dazu ergänzt die Sage, wie sie uns mündlich überliefert wurde,
daß in der Roten Wand ein Drachen hauste, der diesen Felssturz verursacht haben soll. Im
Stadtwappen ist dieser Drache grün auf rotem Hintergrund dargestellt. Eine andere
Auslegung berichtet, daß dieses furchtbare Ungetüm beim Sennglöckl in der
Roten Wand gelebt haben soll. Der Hahn des Hainzlebner-Bauern habe sich dorthin verirrt
und sei vom Drachen gefressen worden. Dadurch bestärkt, sei dann dieses Untier
ausgebrochen und habe damit den Felssturz verursacht. Die Sage weiß aber auch, daß jene
Stadt bis zum Weißen Kreuz an der Ausseerstraße gereicht haben
soll. Beim Grafenkreuz im Oberdorf und in der Nähe des Kornbauernhofes (heute Salzstraße
12) sollen Heidentempel oder vielleicht eine alte Kirche gestanden sein. Wahrscheinlich
waren dies alte Heidentempel oder nur Bilder heidnischer Götter. So ist es zu erklären,
daß dort Überbleibsel der Römerzeit noch länger bestanden. Es steht nicht genau fest,
in welcher geschichtlichen Zeit sich dieser Felssturz ereignet hat. Sicherlich aber nach
der Römerherrschaft (400 n. Chr.) und spätestens im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr. |
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| Stadtwappen |
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Das Stadtwappen hält diese Sage fest. Außer dem grünen Drachen auf rotem
Hintergrund (Rote Wand!) ist im unteren Teil des Wappens eine Stadtmauer mit 5 Toren
dargestellt. Dies soll dartun, daß heute 5 Straßen von Liezen wegführen. Auch dadurch
kommt die jahrhundertealte Bedeutung Liezens als Ort am Schnittpunkt mehrerer Straßen
sinnfällig zum Ausdruck. |
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| Die Slawen |
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| Kurz nach den Römern kamen die Ostgoten in unser Tal, doch
blieben sie nicht lange und verschwanden bald. Ungefähr 600 n. Chr. wanderten die
Alpenslawen (Slowenen) ein. Die fast menschenleere Gegend brauchten sie nicht zu erobern
und so siedelten sie sich dort an, wo das Land schon gerodet war. Ihr Siedlungsraum war
auf das Tal beschränkt. Die Slawen kamen aus dem Südosten und betrieben schon Viehzucht
und Ackerbau. An diese Slawen erinnern heute noch viele Ortsnamen, die Bezeichnungen von
Bergen und von Bächen. Darunter auch der Name Liezen, was soviel wie
Sumpfgegend oder nasse Wiese heißt. Die Slawen waren bereits
Christen. Damit im Zusammenhang steht sicherlich der Name unseres Kirchenpatrons, Sankt
Vitus (Veit). Dieser Heilige war und ist heute noch der Heilige der Südslawen. |
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| Die bayrische Besiedlung |
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| Nach den Kämpfen und Siegen Karls des Großen über die
Awaren am Ende des 8. Jahrhunderts kam es allmählich zur endgültigen Besiedlung des
Ennstales. Die Siedler fast nur Bauern kamen aus Bayern und Franken. Diese
somit neubesiedelten Grenzgebiete des Heiligen römischen Reiches deutscher
Nation gehörten zur Karantanischen Mark. Der kirchliche Mittelpunkt war
Salzburg von wo schon 1-2 Jahrhunderte zuvor das Land zwischen Lech und Enns
besiedelt worden war. Diese Besiedlung stellt den Beginn unserer heutigen bäuerlichen
Kultur und somit unseres ganzen Lebensraumes dar. Die meisten unserer Orte und Siedlungen
gehen, wenn wir ihren Namen auch viel später erstmalig hören, auf diese geschichtliche
Epoche zurück. Viele Namen, wie jene mit den Endungen -ing, -wang, oder -weng, stammen
aus dieser Siedlerzeit. Der Grund im Tal gehörte zuerst den Königen. Von diesen erhielt
ihn der Erzbischof von Salzburg, der ihn dann an seine Dienstmannen und Freien als
Lehen weitergab. Dieser Ausdruck, sowie die Bezeichnung Hube
stammen aus dieser Zeit. |
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| 1074 |
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| Nach dem Wunsch der Heiligen Hemma von Gurk, einer
Kärntner Grafentochter und Gräfin von Friesach und Zeutschach, die schon 1043 eine
Marienkirche und später ein Nonnenkloster in Gurk gestiftet hatte, sollte im Ennstal ein
Kloster errichtet werden. Gräfin Hemma, die Initiatorin dieser für das Tal so
bedeutsamen Stiftung, starb bereits 1045. Sie wurde 1287 selig und 1938
heiliggesprochen. Erzbischof Gebhard von Salzburg fügte den schon von der Stifterin Hemma
bestimmten Gütern weiteren Besitz hinzu und so war eine Klostergründung möglich. Am 29.
September 1074 weihte Erzbischof Gebhard in Gegenwart weiterer Bischöfe und Äbte die
Klosterkirche zu Admont zu Ehren der Heiligen Maria und des Heiligen Blasius. Die ersten
Mönche kamen aus dem Kloster St. Peter in Salzburg. |
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| Luecen Liezen wird erstmals
genannt |
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Der Stiftungsbrief zu dieser Klostergründung stellt
eigentlich nur ein Güterverzeichnis dar. Diese Urkunde gibt es leider nicht mehr. Dem
unermüdlichen Forscher der Geschichte des Stiftes Admont, Peter Jakob Wichner, ist es zu
verdanken, daß uns heute der Wortlaut dieser Urkunde noch bekannt ist, in welcher der
Besitz des Klosters aufgezählt ist. Wir finden Ortsnamen wie Strechau, Lassing,
Dietmannsdorf, Singsdorf, Haus, Aich, Hofmaning, Pruggern, Gössenberg, Weißenbach bei
Liezen und viele andere. Eine Stelle dieses in Latein geschriebenen Textes lautet:

Decimam at Luecen et mansum unum
(- den Zehent zu Liezen und eine Hube
)

Natürlich wurde diese hier erstmals angeführte Schreibweise dann wie bei allen
Ortsnamen noch öfters geändert. Wir können aber mit Sicherheit annehmen, daß
diese Siedlung Luecen weit älter ist, und vielleicht schon ab 600 n. Chr.
Bestanden hat. Beweisen läßt es sich nicht. |
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| Liezen in den Bauernkriegen |
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1478 wird erstmals von Bauernerhebungen berichtet, doch
genauere Angaben fehlen.
Der Bauer war im Mittelalter vom ursprünglichen Freien und den Boden urbarmachenden Mann
immer mehr in die Abhängigkeit der Grundherrschaft gekommen. Da neben den weltlichen
Herrschern, dem Adel und Fürsten und Königen, auch die Kirche und die Klöster große
Besitzungen hatten, war es verständlich, daß sich Bauern und Bergknappen vielfach der
neuen Lehre des Protestantismus zuwandten. Eine Unruhe erfaßte diese
Bevölkerungsschichten und bald stellten Anführer des Luthertums Leitgedanken zur
Besserung der Lage der Bauern auf. Die erhobenen Forderungen umfaßten religiöse
Vorstellungen, wie die Messe in der Muttersprache und die Wahl des Priesters durch die
Kirchengemeinde. In wirtschaftlicher Hinsicht wurde die Befreiung aus der Obrigkeit der
Grundherren verlangt. Es waren also wirtschaftliche und soziale Forderungen, die es hier
dem Protestantismus ermöglichten, bald fuß zu fassen. |
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| Das Jammertal |
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Zeitmäßig steht dieser Versuch mit der Abwesenheit des
Freiherrn Ferdinand von Hofmann in Zusammenhang. Dieser bekleidete in Prag das Amt eines
Hofkammerpräsidenten. Er hatte in Nordmähren Güter erworben und auch Gelegenheit, sich
dem Bergbau, einer der Quellen des Reichtums dieser Familie, zuzuwenden. Ein Aufenthalt
und ein Wirken in der Steiermark wurde ihm auch immer mehr durch die
protestantenfeindliche Haltung des Grazer Hofes erschwert. Er resignierte und übergab
schließlich am 1.1.1594 seine Rechte an den Pfarren Lassing, Oppenberg und Liezen, dem
Land Steiermark.
Der langjährige evangelische Pfarrer von Admont Liezen (1935 1972) Erich
Schuster, Ehrenringträger der Marktgemeinde Admont, weiß in diesem Zusammenhang von
einem Brief zu berichten, den die Gemeinschaften Liezen, Lassing und Oppenberg am
31.8.1599 an den Landmarschall schrieben:
Wir arme, einfältige Leut, die wir im Schweiß unseres Angesichts gar hart
unser Brot suchen und die ganze Woche arbeiten, wenn wir dann des Sonntags von unserm
Werke ausruhen, so haben wir diesen Trost, daß wir vor allen Dingen die Ehre Gottes
betrachten und unser Seelenheil suchen, sonst haben wir uns des Feiertags und unserer
Arbeit wenig zu trösten, denn wir haben in diesem Jammertal keinen anderen Sabbath als
Gottes Wort und den Gebrauch der heil. Sakramente, davon können wir uns nicht drängen
lassen. |
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| Alkoholisches |
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| 1767 wurde der Ausschank von Branntwein untersagt. Als
Begründung wurde angegeben, daß durch den Branntwein Sittenlosigkeit, Verarmung und
Krankheiten hervorgerufen wurden. Wenn ein Wirt nun weiter dieses verbotene Getränk
verkaufte, wurde er bestraft. Dies hatte zur Folge, daß sogenannte
Winkelschenken errichtet wurden. Wer in einer solchen Schenke gefaßt wurde,
erhielt 3 Tage Arrest. |
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| Gott segnete die Laster |
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Ganz interessant ist es, zu hören, was ein höherer
Beamter über die Ennstaler 1772 berichtet:
Die Leute sind stark, wohlgewachsen und erwerbstüchtig; sie handeln mit Vieh und
Getreide nach Kärnten und Salzburg, mit Leinwand nach Italien. Die meisten Männer und
Weiber können lesen und sind beredt, sie lieben den Gesang über alles und den Tanz
beginnen sie schon um 11 Uhr vormittags, Polizeigesetzte kennen sie fast keine, jeder tut,
was ihm gefällt. Das Laster der Unlauterkeit ist allgemein, man kann bezweifeln, ob die
sich ausbreitende Ketzerei mehr von den verderbten Sitten oder diese aus der Ketzerei
entspringen. Dabei rühmen sich die Lutheraner, ihr Glaube müsse doch der rechte sein,
sonst würde Gott sie nicht mit Reichtum segnen.
Das sind keinesfalls nur Schmeicheleien über den Ennstaler, doch ging es ja nicht um
einen Werbeprospekt für den Fremdenverkehr, sondern um die Tatsache, daß man sich nicht
ganz sicher war, ob es da oder dort noch einen Geheimprotestantismus oder Menschen gab,
die sich offen dazu bekannten. Erst das Toleranzpatent 1781 unter Kaiser Josef II.
verhinderte jeden religiösen Zwang. |
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| Pferde in Massen |
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| Ein gewisser Dr. Franz Sartori schreibt in seinen
Reiseerzählungen, die 1811 in Wien erschienen sind, über unseren Heimatort: Liezen ist
eines der größten und schönsten Dörfer des Landes. Er nennt auch die von Liezen
ausgehenden Straßen, besonders die Salzstraße und bezeichnet sie als
Hauptcommercialstraße, d. h. wichtigste Handelsstraße. Die Bewohner
dieses Ortes so führt er weiter aus leben meist von den
Fuhrleuten, die hier durchziehen. Der Pferdehandel ist der wichtigste Handelszweig in
Liezen. |
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| Bild: Liezen um etwa 1840 |
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| 1848: Liezen wird
Verwaltungsmittelpunkt |
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1843 besaß Liezen bereits ein Postamt, eine Finanzwache,
eine Straßenbaukommission (heute etwa die Baubezirksleitung Liezen), ein Physikat
(Amtsarzt) und ein Bezirkskommissariat die erste Bezirksverwaltungsbehörde.
Daneben zählte man schon zahlreiche Gewerbe und Handwerksbetriebe. Manches Gewerbe war
weit stärker vertreten als heute. Manches ist heute überhaupt nicht mehr vorhanden, wie
Lederer, Pfannen- und Rohrschmied, Hakenschmied, Hutmacher, Müllner und Bierbauer.
Gastwirte gab es 19.
1873 wurde Dr. Viktor Fossel Bezirksarzt in Liezen. Er beschreibt in seinen Memoiren unser
Liezen, das damals noch scherzhaft als Stangenreiterdörfel bezeichnet wurde
(eine Anspielung auf die Fuhr- und Vorspanntätigkeit vieler Liezener). Der durchziehende
Fuhrmann war noch eine hochangesehene Persönlichkeit. Die Anwesenheit der Behörden und
Ämter läßt Liezen so berichtet Dr. Fossel weiter über die soziale Stufe
der Nachbarorte hinaus wachsen. Beim Schildern seiner Dienstreisen beklagt sich der
Bezirksarzt über den Mangel an Bahnverbindungen. So mußten die meisten Strecken zu Fuß
oder mit Pferdewagen zurückgelegt werden. In Liezen lebten zu dieser Zeit viele Beamte
der Ämter und Behörden, aber auch zahlreiche Ingenieure, die am Bahnbau beschäftigt
waren, weilten hier. Dr. Fossel betont, daß damals in Liezen viel Geselligkeit herrschte.
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| Nikolaus Dumba |
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| 1872 wurde die Freiwillige Feuerwehr Liezen gegründet.
Erstmals hören wir von Nikolaus Dumba, damals Reichsratsabgeordneter. Er kam als Jagdherr
nach Liezen und ließ die Jagdvilla, genannt Dumbavilla, erbauen, die bis 1960
dort stand, wo sich heute die Wohnhäuser Ausseerstraße 37, 39, 41, und 43 befinden.
Nikolaus Dumba war ein großer Förderer vieler gemeinnütziger Einrichtungen, besonders
der Feuerwehr. 1873 wurde ihm daher die Würde eines Ehrenbürgers von Liezen verliehen. |
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| Stadterhebung |
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| Der 2. Weltkrieg forderte einen hohen Blutzoll an Toten und
Vermißten. Kurz vor und nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 strömten zahlreiche
Flüchtlinge durch den Ort. Bei Kriegsende wurde Liezen von amerikanischen Truppen
besetzt. Die Enns galt als Demarkationslinie und die Gebiete südlich davon
besetzten die Streitkräfte der Sowjetunion. Dies änderte sich im Juli 1945, als die
gesamte Steiermark und auch Kärnten Besatzungsgebiet der englischen Truppen wurde. Nach
Überwindung der ärgsten Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre setzte eine stürmische
Aufwärtsentwicklung in Liezen ein. Mit Beschluß der Steiermärkischen Landesregierung
vom 2. April 1947 wurde Liezen zur Stadt erhoben. Die Feierlichkeiten aus diesem Anlaß
fanden im September 1947 statt, wobei als höchster Gast der damalige Bundespräsident Dr.
Karl Renner anwesend war. |
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| Der Kalvarienberg |
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| Das erste Altarbild, den Hl. Vitus darstellend, stammt aus
1665. Als Maler wird ein Turnipp genannt, doch dürfte es sich um den Künstler Turnier
handeln, der im 17. Jahrhundert in der Obersteiermark bekannt war. In der Zeit von
1711-1785 wurde die Pfarre Liezen von Priestern des Chorherrenstiftes Rottenmann betreut.
Seit 1713 ist die Pfarrmatrik vorhanden. Ungefähr in der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ
der Pfarrer, ein Augustinermönch, auf dem Kalvarienberg bei Liezen eine Kapelle bauen.
1749 stiftete Johann Jakob Sedlmayr, Edler von Lindenfeld, der Kirche jährlich 700 Gulden
für 24 Messen und für die Erhaltung der Kalvarienkapelle 5 Gulden. Für dieses neue
Kirchlein wurde 1755 die Messelizenz erteilt. Unterhalb davon entstand 1770 ein
Kalvarienberg, der wahrscheinlich aus mehr Bildstöcken oder Kreuzwegstationen bestand als
heute, wo lediglich ein Bildstock zu finden ist. |
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| Die Vergrößerung der Kirche |
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| 1911 erhielt der Dombaumeister Matthias Schlager den
Auftrag, die Kirche umzubauen. Die in diesem und im nächsten Jahr vorgenommene
Vergrößerung der Kirche nach Osten bedingte die Entfernung der Häuser Wirnsberger
(neben der alten Schule, Ausseer Straße 1), Kirchenschuster und Sattler. Sowohl Pfarrer
Eder als auch der Kirchenbau-Verein und Bürgermeister Gustav Größwang jun. waren die
treibenden Kräfte für diese schon seit Jahrzehnten notwendig erachtete Vergrößerung
der Kirche. Das Kirchengebäude erfuhr dadurch eine Erweiterung um 12 Meter gegen die
Hauptstraße hin. |
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| Bild: Die Stadtpfarrkirche während der
Bauarbeiten. An der Straße wurden 2 Wohnhäuser abgetragen, um für die Verlängerung des
Kirchenschiffes Platz zu machen. |
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| Bild: 20.8.1906: Letzte Pferdepostfahrt
von Liezen nach Spital am Pyhrn |
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| Bild: So sah die 5. Liezener
Stadtausfahrt noch 1930 aus (Döllacher Straße am Ersten Friedhof) |
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| 1043 Jahre Bergbau und Eisenhütte |
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| Der Bergbau und die Gewinnung von Eisen waren bis in das
19. Jahrhundert von ganz besonderer Bedeutung für unseren Ort. Die Suche nach dem
wichtigen Metall setzte frühzeitig ein. Schon 931 wird ein Schürfrecht am Gameringberg
bei Wörschach erwähnt. Der Grundbesitzer war das Erzbistum Salzburg. Im 13. Jahrhundert
wird erstmals der Eisenabbau am Salberg bei Liezen in einer Urkunde genannt. Sicherlich
trägt schon seit dieser Zeit der Südhang des Salberges den Namen Arzberg.
Der Grund gehörte dem Stift Admont. Das dort gewonnene Erz wurde dann in
Schweinehäuten in den sogenannten Arzkasten gezogen, der sich in der Nähe
der alten Admonterstraße befand. Die heute noch bestehenden Wege, der obere und der
untere Reiterweg sowie der Knappensteig wurden damals schon errichtet und benützt. |
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| Die Amalienhütte |
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| Das gewonnene Erz bezeichnete man als
Waldeisen, um es von dem am Eisenerzer Erzberg gewonnenen hochwertigeren
Bodenschatz zu unterscheiden. 1453 gewährte Kaiser Friedrich III., der dem steirischen
Eisenwesen besondere Aufmerksamkeit schenkte, dem Pfleger auf Wolkenstein, Bernhard Praun
und dem Rottenmanner Stadtrichter Leonhard Schwerzer das Recht eysenercz an dem perg
zu Lueczen in der herrschaft Wolkenstain zu schürfen, sowie ein Blähhaus zu
errichten. Schon zwei Jahre später, am 14. Juni 1455 verkauft ein Georg Schmidt am Pyhrn
ein Achtel seines Besitzes (hamer und werich gaden im Piern an der landstrassen bei
den Lueczenbach) ebenfalls an den Pfleger Praun. Vermutlich war das dort, wo der
letzte Hochofen, auch Schmölz=Schmelzofen, die sogenannte
Amalienhütte stand. |
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| Bild: Amalienhütte bei Liezen |
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auszugsweise aus
900 Jahre Liezen
1074 1974
Herausgeber: Stadtgemeinde Liezen
1974 |
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