Bild: Liezen - Tusche auf Papier - Erhard Gaube, 1986
Bild: Liezen - Tusche auf Papier - Erhard Gaube, 1986
Geschichte der Stadt Liezen
Das Ennstal hatte zu Beginn der Eiszeit fast schon jene Form, wie wir es heute kennen. Dann kam es durch die Wirkung der Gletscher, die unsere Alpentäler deckten, noch zu wesentlichen Veränderungen. Die Talsohle war vor der Eiszeit weit höher gelegen als heute. Für die spätere Besiedlung unserer Heimat war die Eiszeit deshalb von Bedeutung, da sie eine Art Vorarbeit für die Rodung leistete. Die ersten Siedlungen finden wir ja dann auf Böden, die die Eiszeit geformt hat. Nach der Eiszeit bedeckte ein langer See unser Tal, der durch die Schotterzufuhr aus den Seitentälern verflachte und schließlich seinen Abfluß durch das Gesäuse fand. Da und dort blieben flache Seen zurück, die später zu den großen Moorgebieten wurden, die wir heute noch im Ennsboden vorfinden. Aus der Steinzeit in unserem Tal wissen wir wenig. Funde, wie Steinbeile, sind sehr spärlich. Eine Besiedlung war auch fast unmöglich. Als die ersten Bewohner unserer Heimat kennen wir die Illyrer. Vermutlich stehen auch die frühesten Felszeichnungen in der „Höll“, in der Nähe des Linzerhauses auf der Wurzeralm, damit in Verbindung. Auf 13 verschiedenen Felsblöcken sind Zeichnungen von verschiedener Art und Darstellung zu sehen, die aus der Zeit von 800 v. Chr. bis wahrscheinlich 800 n. Chr. stammen. Meist sind es Jagd- und Tierdarstellungen, Ornamente, Musikspiele und Christogramme. Die Illyrer, auch Kelto-Illyrer benannt, haben uns wohl einige Namen wie Enns, Tauern, Tausing und Pyhrn hinterlassen. Von ihnen selbst und ihren Siedlungsformen und ihrer Kultur ist wenig bekannt. Sicherlich aber haben sie das Ennstal nicht sehr dicht besiedelt. Schon ein halbes Jahrhundert vor Christi Geburt wird unser Tal in das große Römerreich einbezogen.
Die Römerzeit
Roms Soldaten eroberten unsere Heimat und gliederten sie in ihre neuerrichtete Provinz Noricum ein. Die Römer waren die großen Meister des Straßenbaues – eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung ihres Weltreiches – sie legten auch über unser heutiges Stadtgebiet eine römische Heeresstraße von Virunum (Klagenfurt) nach Ovilaba (Wels) und damit zur Nordgrenze der Provinz Noricum, der Donau. In jeweils 20 km Entfernung errichteten sie Poststationen, besser gesagt Umspannstationen. In der sogenannten Peutinger’schen Tafel (Tabula Peutingeriana) sind die wichtigsten Römerstraßen verzeichnet. Wir können daraus entnehmen, daß sich auf dem Brunnfeld nördlich des Zentrums des heutigen Liezen die Station „Stiriate“ befand. Dieser Name kommt aus dem keltoillyrischen Wort „stirus“ oder „stiry“ und bedeutet Fluß. Zweifelsohne war damit die Enns gemeint.
Stiriate
Als letzte Rast- und Umspannstation für die Pferdefahrzeuge der damaligen Zeit vor oder nach dem Pyhrnpaß kam diesem „Stiriate“ eine besondere Bedeutung zu. Von hier weg führten Straßen westwärts über das Ennstal und das Ausseerland nach der römischen Stadt Juvavum (Salzburg), nach Osten in Richtung Admont, nach Norden zur nächsten Station „Gabromagum“ (auch „Gabromagis“ genannt) bei Windischgarsten. Bei der Anlage ihrer Straßen wichen die Römer immer den Talböden aus und legten die Straßentrassen an den Hängen an. Die letzte Station vor Stiriate war im Süden „Surontio“ (St. Lorenzen i. Paltental). Die Straße führte vom Triebener Tauernpaß über „Surontio“, über Burgfried-Lassing und über die Senke im östlichen Teil des Mitterberges, die im Volksmund nach einem dort stehenden Bildstock des Heiligen Jakob, der „Jockerl“ genannt wird, ins Ennstal. Wir können annehmen, daß diese Poststation Stiriate am Rande des sumpfigen Ennstales nur aus einigen Gebäuden, wie einer Gaststätte mit Herberge und Stallungen, Unterkünften für einige Soldaten und Handwerker, sicher Schmiede und Wagner bestand. Eine weitere Annahme ist, daß dies damals schon ein für unsere engere Heimat wichtiger Handels- und Umschlagsplatz war. Allzuviel dürfen wir uns darunter nicht vorstellen.
Erinnerungen an die Römer
Außer dem Hinweis in der Peutinger’schen Tafel bezeugen auch Funde die seinerzeitige Anwesenheit der Römer. 1835 wurden auf dem Brunnfeld 2 Römersteine gefunden, die im Aufgang zum Kirchenchor der Stadtpfarrkirche eingemauert sind. 1932 fand man beim Neubau der Röthelbrücke an der Selzthaler Straße eine größere Menge römischer Münzen. Es bestand dort mindestens eine Fähre oder gar eine einfache Brücke. Mit dem Ende des Römerreiches und nach der Völkerwanderung wurde unser Land fast menschenleer, bis es durch spätere Besiedlungen zu neuem Leben kam.
Die Drachen-Sage
Diese berichtet, daß noch im 12. Jahrhundert eine römische Stadt auf dem Brunnfeld gestanden sein soll. Ein Erdbeben habe das Felsgestein an der Roten Wand zusammengeschüttelt, sodaß es ins Tal herabstürzte und dieses verschüttete. Der wahre Kern besteht darin, daß die dort noch bestehenden Anlagen der ehemaligen römischen Siedlung unter den Felstrümmern begraben wurden. Eine Stadt aber war es sicher nicht. Dazu ergänzt die Sage, wie sie uns mündlich überliefert wurde, daß in der Roten Wand ein Drachen hauste, der diesen Felssturz verursacht haben soll. Im Stadtwappen ist dieser Drache grün auf rotem Hintergrund dargestellt. Eine andere Auslegung berichtet, daß dieses furchtbare Ungetüm beim „Sennglöckl“ in der Roten Wand gelebt haben soll. Der Hahn des Hainzlebner-Bauern habe sich dorthin verirrt und sei vom Drachen gefressen worden. Dadurch bestärkt, sei dann dieses Untier ausgebrochen und habe damit den Felssturz verursacht. Die Sage weiß aber auch, daß jene „Stadt“ bis zum „Weißen Kreuz“ an der Ausseerstraße gereicht haben soll. Beim Grafenkreuz im Oberdorf und in der Nähe des Kornbauernhofes (heute Salzstraße 12) sollen Heidentempel oder vielleicht eine alte Kirche gestanden sein. Wahrscheinlich waren dies alte Heidentempel oder nur Bilder heidnischer Götter. So ist es zu erklären, daß dort Überbleibsel der Römerzeit noch länger bestanden. Es steht nicht genau fest, in welcher geschichtlichen Zeit sich dieser Felssturz ereignet hat. Sicherlich aber nach der Römerherrschaft (400 n. Chr.) und spätestens im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr.
Stadtwappen
Das Stadtwappen hält diese Sage fest. Außer dem grünen Drachen auf rotem Hintergrund (Rote Wand!) ist im unteren Teil des Wappens eine Stadtmauer mit 5 Toren dargestellt. Dies soll dartun, daß heute 5 Straßen von Liezen wegführen. Auch dadurch kommt die jahrhundertealte Bedeutung Liezens als Ort am Schnittpunkt mehrerer Straßen sinnfällig zum Ausdruck.
Die Slawen
Kurz nach den Römern kamen die Ostgoten in unser Tal, doch blieben sie nicht lange und verschwanden bald. Ungefähr 600 n. Chr. wanderten die Alpenslawen (Slowenen) ein. Die fast menschenleere Gegend brauchten sie nicht zu erobern und so siedelten sie sich dort an, wo das Land schon gerodet war. Ihr Siedlungsraum war auf das Tal beschränkt. Die Slawen kamen aus dem Südosten und betrieben schon Viehzucht und Ackerbau. An diese Slawen erinnern heute noch viele Ortsnamen, die Bezeichnungen von Bergen und von Bächen. Darunter auch der Name „Liezen“, was soviel wie „Sumpfgegend“ oder „nasse Wiese“ heißt. Die Slawen waren bereits Christen. Damit im Zusammenhang steht sicherlich der Name unseres Kirchenpatrons, Sankt Vitus (Veit). Dieser Heilige war und ist heute noch der Heilige der Südslawen.
Die bayrische Besiedlung
Nach den Kämpfen und Siegen Karls des Großen über die Awaren am Ende des 8. Jahrhunderts kam es allmählich zur endgültigen Besiedlung des Ennstales. Die Siedler – fast nur Bauern – kamen aus Bayern und Franken. Diese somit neubesiedelten Grenzgebiete des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“ gehörten zur „Karantanischen Mark“. Der kirchliche Mittelpunkt war Salzburg – von wo schon 1-2 Jahrhunderte zuvor das Land zwischen Lech und Enns besiedelt worden war. Diese Besiedlung stellt den Beginn unserer heutigen bäuerlichen Kultur und somit unseres ganzen Lebensraumes dar. Die meisten unserer Orte und Siedlungen gehen, wenn wir ihren Namen auch viel später erstmalig hören, auf diese geschichtliche Epoche zurück. Viele Namen, wie jene mit den Endungen -ing, -wang, oder -weng, stammen aus dieser Siedlerzeit. Der Grund im Tal gehörte zuerst den Königen. Von diesen erhielt ihn der Erzbischof von Salzburg, der ihn dann an seine Dienstmannen und Freien als „Lehen“ weitergab. Dieser Ausdruck, sowie die Bezeichnung „Hube“ stammen aus dieser Zeit.
1074
Nach dem Wunsch der Heiligen Hemma von Gurk, einer Kärntner Grafentochter und Gräfin von Friesach und Zeutschach, die schon 1043 eine Marienkirche und später ein Nonnenkloster in Gurk gestiftet hatte, sollte im Ennstal ein Kloster errichtet werden. Gräfin Hemma, die Initiatorin dieser für das Tal so bedeutsamen Stiftung, starb bereits 1045. Sie wurde 1287 selig – und 1938 heiliggesprochen. Erzbischof Gebhard von Salzburg fügte den schon von der Stifterin Hemma bestimmten Gütern weiteren Besitz hinzu und so war eine Klostergründung möglich. Am 29. September 1074 weihte Erzbischof Gebhard in Gegenwart weiterer Bischöfe und Äbte die Klosterkirche zu Admont zu Ehren der Heiligen Maria und des Heiligen Blasius. Die ersten Mönche kamen aus dem Kloster St. Peter in Salzburg.
Luecen – Liezen wird erstmals genannt
Der Stiftungsbrief zu dieser Klostergründung stellt eigentlich nur ein Güterverzeichnis dar. Diese Urkunde gibt es leider nicht mehr. Dem unermüdlichen Forscher der Geschichte des Stiftes Admont, Peter Jakob Wichner, ist es zu verdanken, daß uns heute der Wortlaut dieser Urkunde noch bekannt ist, in welcher der Besitz des Klosters aufgezählt ist. Wir finden Ortsnamen wie Strechau, Lassing, Dietmannsdorf, Singsdorf, Haus, Aich, Hofmaning, Pruggern, Gössenberg, Weißenbach bei Liezen und viele andere. Eine Stelle dieses in Latein geschriebenen Textes lautet:

„Decimam at Luecen et mansum unum“ …
(- den Zehent zu Liezen und eine Hube …)


Natürlich wurde diese hier erstmals angeführte Schreibweise dann – wie bei allen Ortsnamen – noch öfters geändert. Wir können aber mit Sicherheit annehmen, daß diese Siedlung „Luecen“ weit älter ist, und vielleicht schon ab 600 n. Chr. Bestanden hat. Beweisen läßt es sich nicht.
Liezen in den Bauernkriegen
1478 wird erstmals von Bauernerhebungen berichtet, doch genauere Angaben fehlen.

Der Bauer war im Mittelalter vom ursprünglichen Freien und den Boden urbarmachenden Mann immer mehr in die Abhängigkeit der Grundherrschaft gekommen. Da neben den weltlichen Herrschern, dem Adel und Fürsten und Königen, auch die Kirche und die Klöster große Besitzungen hatten, war es verständlich, daß sich Bauern und Bergknappen vielfach der neuen Lehre des Protestantismus zuwandten. Eine Unruhe erfaßte diese Bevölkerungsschichten und bald stellten Anführer des Luthertums Leitgedanken zur Besserung der Lage der Bauern auf. Die erhobenen Forderungen umfaßten religiöse Vorstellungen, wie die Messe in der Muttersprache und die Wahl des Priesters durch die Kirchengemeinde. In wirtschaftlicher Hinsicht wurde die Befreiung aus der Obrigkeit der Grundherren verlangt. Es waren also wirtschaftliche und soziale Forderungen, die es hier dem Protestantismus ermöglichten, bald fuß zu fassen.
Das Jammertal
Zeitmäßig steht dieser Versuch mit der Abwesenheit des Freiherrn Ferdinand von Hofmann in Zusammenhang. Dieser bekleidete in Prag das Amt eines Hofkammerpräsidenten. Er hatte in Nordmähren Güter erworben und auch Gelegenheit, sich dem Bergbau, einer der Quellen des Reichtums dieser Familie, zuzuwenden. Ein Aufenthalt und ein Wirken in der Steiermark wurde ihm auch immer mehr durch die protestantenfeindliche Haltung des Grazer Hofes erschwert. Er resignierte und übergab schließlich am 1.1.1594 seine Rechte an den Pfarren Lassing, Oppenberg und Liezen, dem Land Steiermark.

Der langjährige evangelische Pfarrer von Admont – Liezen (1935 – 1972) Erich Schuster, Ehrenringträger der Marktgemeinde Admont, weiß in diesem Zusammenhang von einem Brief zu berichten, den die Gemeinschaften Liezen, Lassing und Oppenberg am 31.8.1599 an den Landmarschall schrieben:

„Wir arme, einfältige Leut’, die wir im Schweiß unseres Angesichts gar hart unser Brot suchen und die ganze Woche arbeiten, wenn wir dann des Sonntags von unserm Werke ausruhen, so haben wir diesen Trost, daß wir vor allen Dingen die Ehre Gottes betrachten und unser Seelenheil suchen, sonst haben wir uns des Feiertags und unserer Arbeit wenig zu trösten, denn wir haben in diesem Jammertal keinen anderen Sabbath als Gottes Wort und den Gebrauch der heil. Sakramente, davon können wir uns nicht drängen lassen.“
Alkoholisches
1767 wurde der Ausschank von Branntwein untersagt. Als Begründung wurde angegeben, daß durch den Branntwein Sittenlosigkeit, Verarmung und Krankheiten hervorgerufen wurden. Wenn ein Wirt nun weiter dieses verbotene Getränk verkaufte, wurde er bestraft. Dies hatte zur Folge, daß sogenannte „Winkelschenken“ errichtet wurden. Wer in einer solchen Schenke gefaßt wurde, erhielt 3 Tage Arrest.
Gott segnete die Laster
Ganz interessant ist es, zu hören, was ein höherer Beamter über die Ennstaler 1772 berichtet:

„Die Leute sind stark, wohlgewachsen und erwerbstüchtig; sie handeln mit Vieh und Getreide nach Kärnten und Salzburg, mit Leinwand nach Italien. Die meisten Männer und Weiber können lesen und sind beredt, sie lieben den Gesang über alles und den Tanz beginnen sie schon um 11 Uhr vormittags, Polizeigesetzte kennen sie fast keine, jeder tut, was ihm gefällt. Das Laster der Unlauterkeit ist allgemein, man kann bezweifeln, ob die sich ausbreitende Ketzerei mehr von den verderbten Sitten oder diese aus der Ketzerei entspringen. Dabei rühmen sich die Lutheraner, ihr Glaube müsse doch der rechte sein, sonst würde Gott sie nicht mit Reichtum segnen.“

Das sind keinesfalls nur Schmeicheleien über den Ennstaler, doch ging es ja nicht um einen Werbeprospekt für den Fremdenverkehr, sondern um die Tatsache, daß man sich nicht ganz sicher war, ob es da oder dort noch einen Geheimprotestantismus oder Menschen gab, die sich offen dazu bekannten. Erst das Toleranzpatent 1781 unter Kaiser Josef II. verhinderte jeden religiösen Zwang.
Pferde in Massen
Ein gewisser Dr. Franz Sartori schreibt in seinen Reiseerzählungen, die 1811 in Wien erschienen sind, über unseren Heimatort: Liezen ist eines der größten und schönsten Dörfer des Landes. Er nennt auch die von Liezen ausgehenden Straßen, besonders die Salzstraße und bezeichnet sie als „Hauptcommercialstraße“, d. h. wichtigste Handelsstraße. „Die Bewohner dieses Ortes“ –so führt er weiter aus – „leben meist von den Fuhrleuten, die hier durchziehen. Der Pferdehandel ist der wichtigste Handelszweig in Liezen.“
Liezen um etwa 1840
Bild: Liezen um etwa 1840
1848: Liezen wird Verwaltungsmittelpunkt
1843 besaß Liezen bereits ein Postamt, eine Finanzwache, eine Straßenbaukommission (heute etwa die Baubezirksleitung Liezen), ein Physikat (Amtsarzt) und ein Bezirkskommissariat – die erste Bezirksverwaltungsbehörde. Daneben zählte man schon zahlreiche Gewerbe und Handwerksbetriebe. Manches Gewerbe war weit stärker vertreten als heute. Manches ist heute überhaupt nicht mehr vorhanden, wie Lederer, Pfannen- und Rohrschmied, Hakenschmied, Hutmacher, Müllner und Bierbauer. Gastwirte gab es 19.

1873 wurde Dr. Viktor Fossel Bezirksarzt in Liezen. Er beschreibt in seinen Memoiren unser Liezen, das damals noch scherzhaft als „Stangenreiterdörfel“ bezeichnet wurde (eine Anspielung auf die Fuhr- und Vorspanntätigkeit vieler Liezener). Der durchziehende Fuhrmann war noch eine hochangesehene Persönlichkeit. Die Anwesenheit der Behörden und Ämter läßt Liezen – so berichtet Dr. Fossel weiter – über die soziale Stufe der Nachbarorte hinaus wachsen. Beim Schildern seiner Dienstreisen beklagt sich der Bezirksarzt über den Mangel an Bahnverbindungen. So mußten die meisten Strecken zu Fuß oder mit Pferdewagen zurückgelegt werden. In Liezen lebten zu dieser Zeit viele Beamte der Ämter und Behörden, aber auch zahlreiche Ingenieure, die am Bahnbau beschäftigt waren, weilten hier. Dr. Fossel betont, daß damals in Liezen viel Geselligkeit herrschte.
Nikolaus Dumba
1872 wurde die Freiwillige Feuerwehr Liezen gegründet. Erstmals hören wir von Nikolaus Dumba, damals Reichsratsabgeordneter. Er kam als Jagdherr nach Liezen und ließ die Jagdvilla, genannt „Dumbavilla“, erbauen, die bis 1960 dort stand, wo sich heute die Wohnhäuser Ausseerstraße 37, 39, 41, und 43 befinden. Nikolaus Dumba war ein großer Förderer vieler gemeinnütziger Einrichtungen, besonders der Feuerwehr. 1873 wurde ihm daher die Würde eines Ehrenbürgers von Liezen verliehen.
Stadterhebung
Der 2. Weltkrieg forderte einen hohen Blutzoll an Toten und Vermißten. Kurz vor und nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 strömten zahlreiche Flüchtlinge durch den Ort. Bei Kriegsende wurde Liezen von amerikanischen Truppen besetzt. Die Enns galt als „Demarkationslinie“ und die Gebiete südlich davon besetzten die Streitkräfte der Sowjetunion. Dies änderte sich im Juli 1945, als die gesamte Steiermark und auch Kärnten Besatzungsgebiet der englischen Truppen wurde. Nach Überwindung der ärgsten Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre setzte eine stürmische Aufwärtsentwicklung in Liezen ein. Mit Beschluß der Steiermärkischen Landesregierung vom 2. April 1947 wurde Liezen zur Stadt erhoben. Die Feierlichkeiten aus diesem Anlaß fanden im September 1947 statt, wobei als höchster Gast der damalige Bundespräsident Dr. Karl Renner anwesend war.
Der Kalvarienberg
Das erste Altarbild, den Hl. Vitus darstellend, stammt aus 1665. Als Maler wird ein Turnipp genannt, doch dürfte es sich um den Künstler Turnier handeln, der im 17. Jahrhundert in der Obersteiermark bekannt war. In der Zeit von 1711-1785 wurde die Pfarre Liezen von Priestern des Chorherrenstiftes Rottenmann betreut. Seit 1713 ist die Pfarrmatrik vorhanden. Ungefähr in der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der Pfarrer, ein Augustinermönch, auf dem Kalvarienberg bei Liezen eine Kapelle bauen. 1749 stiftete Johann Jakob Sedlmayr, Edler von Lindenfeld, der Kirche jährlich 700 Gulden für 24 Messen und für die Erhaltung der Kalvarienkapelle 5 Gulden. Für dieses neue Kirchlein wurde 1755 die Messelizenz erteilt. Unterhalb davon entstand 1770 ein Kalvarienberg, der wahrscheinlich aus mehr Bildstöcken oder Kreuzwegstationen bestand als heute, wo lediglich ein Bildstock zu finden ist.
Die Vergrößerung der Kirche
1911 erhielt der Dombaumeister Matthias Schlager den Auftrag, die Kirche umzubauen. Die in diesem und im nächsten Jahr vorgenommene Vergrößerung der Kirche nach Osten bedingte die Entfernung der Häuser Wirnsberger (neben der alten Schule, Ausseer Straße 1), Kirchenschuster und Sattler. Sowohl Pfarrer Eder als auch der Kirchenbau-Verein und Bürgermeister Gustav Größwang jun. waren die treibenden Kräfte für diese schon seit Jahrzehnten notwendig erachtete Vergrößerung der Kirche. Das Kirchengebäude erfuhr dadurch eine Erweiterung um 12 Meter gegen die Hauptstraße hin.
Bild: Die Stadtpfarrkirche während der Bauarbeiten. An der Straße wurden 2 Wohnhäuser abgetragen, um für die Verlängerung des Kirchenschiffes Platz zu machen.
Letzte Pferdepostfahrt von Liezen nach Spital am Pyhrn
Bild: 20.8.1906: Letzte Pferdepostfahrt von Liezen nach Spital am Pyhrn
Bild: So sah die „5. Liezener Stadtausfahrt“ noch 1930 aus (Döllacher Straße am „Ersten Friedhof“)
1043 Jahre Bergbau und Eisenhütte
Der Bergbau und die Gewinnung von Eisen waren bis in das 19. Jahrhundert von ganz besonderer Bedeutung für unseren Ort. Die Suche nach dem wichtigen Metall setzte frühzeitig ein. Schon 931 wird ein Schürfrecht am Gameringberg bei Wörschach erwähnt. Der Grundbesitzer war das Erzbistum Salzburg. Im 13. Jahrhundert wird erstmals der Eisenabbau am Salberg bei Liezen in einer Urkunde genannt. Sicherlich trägt schon seit dieser Zeit der Südhang des Salberges den Namen „Arzberg“. Der Grund gehörte dem Stift Admont. Das dort gewonnene Erz wurde dann in „Schweinehäuten“ in den sogenannten Arzkasten gezogen, der sich in der Nähe der alten Admonterstraße befand. Die heute noch bestehenden Wege, der obere und der untere Reiterweg sowie der Knappensteig wurden damals schon errichtet und benützt.
Die Amalienhütte
Das gewonnene Erz bezeichnete man als „Waldeisen“, um es von dem am Eisenerzer Erzberg gewonnenen hochwertigeren Bodenschatz zu unterscheiden. 1453 gewährte Kaiser Friedrich III., der dem steirischen Eisenwesen besondere Aufmerksamkeit schenkte, dem Pfleger auf Wolkenstein, Bernhard Praun und dem Rottenmanner Stadtrichter Leonhard Schwerzer das Recht „eysenercz an dem perg zu Lueczen in der herrschaft Wolkenstain“ zu schürfen, sowie ein Blähhaus zu errichten. Schon zwei Jahre später, am 14. Juni 1455 verkauft ein Georg Schmidt am Pyhrn ein Achtel seines Besitzes („hamer und werich gaden im Piern an der landstrassen bei den Lueczenbach“) ebenfalls an den Pfleger Praun. Vermutlich war das dort, wo der letzte Hochofen, auch „Schmölz“=Schmelzofen, die sogenannte „Amalienhütte“ stand.
Amalienhütte bei Liezen
Bild: Amalienhütte bei Liezen
auszugsweise aus

900 Jahre Liezen
1074 – 1974
Herausgeber: Stadtgemeinde Liezen
1974
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